(Tanja) Ashtanga – eine Reise die niemals enden wird

Genau ein Jahr ist es her, dass ich das erste Mal wirklich mit Yoga in Berührung kam.

Vom Hören und Sagen hatte ich zuvor viel darüber gehört und auch die ein oder andere Übung durch Lehrvideos mitgemacht, was früher ein schöner Ausgleich zum normalen Training war. Interessiert hat es mich daher immer schon, nur bat sich mir nie die Gelegenheit.

Lange bevor ich mit Yoga anfing, ging ich wie jeder 2. Mensch ins Fitnessstudio aber kam nach einer Weile zu dem Entschluss, dass das reinste Zeit- und Geldverschwendung sei.
Stattdessen trainierte ich mit ein paar Gewichten zuhause und ging ab und an mal auf den Berg – hierbei ging es aber rein um die körperliche Fitness und nicht um die geistige. –

Die Wellnesswoche im Hotel stand an und es bot sich mir endlich die Möglichkeit, an Yogakursen teilzunehmen und auch das Yoga Shala Tegernsee kennenzulernen.
Vor der ersten Stunde war ich sehr aufgeregt und gespannt was auf mich zukommen mag. Die erste Stunde sollt eine Hatha Stunde sein. Körperlich war es nicht sehr anstrengend aber irgendwie war es trotzdem fordernd. Balanceposen, bewusstes aufrechtes Sitzen, Dehnungen und auf einmal spürte ich meinen Körper auf eine völlig andere Art und Weise, die mir vorher nicht bekannt war.

Die erste Yogastunde war für mich ein tolles Erlebnis und das Gefühl der Entspannung, was dann folgte, war eins, das ich wieder haben wollte.

Prompt landete dann auch schon bei Andrea vom Yoga Shala und erlebte meine erste Ashtanga Stunde.
Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Wie kompliziert mir die Atmung damals erschien und vor allem die Sonnengrüße. Ich muss sie dabei ganz oft wie ein Auto angesehen haben, so nachdem Motto „Was will die denn?“. Bauch einziehen, Schultern zurück, Brust nach vorne und dann noch die Atmung der Bewegungsrichtung anpassen. Ja, das sollte sich irgendwann „Pranayama“ nennen.
Das ganze vermittelte sie mir auch noch durch ihre direkte Art – ihre Direktheit verunsicherte mich zunähst und noch mehr verunsicherte mich die Tatsache, dass sie meine Verunsicherung direkt spürte.
Ich denke, jetzt komme ich aber ganz damit klar 🙂 Bin ja selbst so!

Irgendwie kamen ich trotz der anfänglichen Überforderung gut durch die Stunde und da war es wieder, dieses verdammt gute Gefühl – eine Mischung aus Stolz und Zufriedenheit und Dank an sie.

Die dritte Yogastunde erlebte ich bei Isabelle. Sie faszinierte mich mit ihrer unglaublich entspannten Ar, Sanftmütigkeit und Gelassenheit. Schnell war für mich klar, dass die Beiden zusammen einen perfekten Ausgleich schaffen – Yin und Yang im Einklang.

Die vierte Yogastunde (Andrea) lief wie folgt ab: Zunächst sträubte ich mich gegen den Gedanken, komplett alleine eine Stunde bei Andrea zu belegen. Doch dann war es das Beste, was mir hätte passieren können. In der Stunde blieb mir nichts andres übrig, als mich komplett darauf einzulassen, was mit mir passiert oder passieren kann. Ich hielt inne, hielt durch, versuchte zu atmen, zu zählen. Plötzlich waren da so viele Dinge, auf die man achten musste, sodass der Kopf automatisch beschäftigt war und es keine Möglichkeit gab, an andere Dinge zu denken. Wir übten die Ujayii Atmung, Sonnengrüße, ein paar Stehpositionen und sogar kurzzeitig den Handstand. Zum Abschluss tauchte ich kurz in die Yin Praxis ein indem ich mit gespreizten Beinen, den Oberkörper nach vorne gebeugt einfach nur so „abhing“. Klingt vielleicht einfach, war es aber nicht. Ich spürte einen extremem Dehnungsschmerz in den Oberschenkel-Innenseite aber ich wusste, dass ich das nun aushalten müsste für die nächsten Minuten.. Kopfkontrolle, Entspannen und Loslassen das ist Yin.
Kopfkontrolle, Atmen und Durchhalten – das ist Ashtanga Yoga.
Die Stunde war extrem intensiv und seitdem war mir klar – nie wieder ohne Yoga.
Am Tag drauf meldete ich mich sofort im Yoga Shala an.

„Das ist eine Reise, die du jetzt antrittst“ sagte mir Andrea, als ich das erste mal ihre Schule besuchte und sie hatte so Recht damit. Die Reise begann…

Voller Enthusiasmus besuchte ich die Stunden. Aus den ersten vier Stunden wurden Wochen, aus Wochen Monate. Ich besuchte jede Stunde, die ich besuchen konnte und war total angefixt.
Nach 3 Monaten durfte ich am Mysore Programm teilnehmen, was die Arbeit noch intensivierte.

Plötzlich ging es um mehr als nur den Ansagen zuzuhören und die Bewegungen nachzumachen. Plötzlich war da nur noch meine Praxis und ich und eine ganz andere Herausforderung – die Konzentration. Nach der ersten Mysore Stunde war ich fix und fertig, nie habe ich zuvor in einer angeleiteten Ashtanga Stunde so geschwitzt. Anfänglich hatte ich eine Scheu diese Stunden zu belegen.
Warum? Reine Versagensangst, nicht gut genug zu sein. Das wurde mir aber relativ schnell ausgetrieben. Jede Stunde war eine Herausforderung für sich, doch die eigentliche Herausforderung liegt in der Selbstpraxis. Anfänglich war ich noch so damit beschäftigt, die Bewegungsabläufe einzuhalten nun geht es darum den größten Muskel von allen im Zaun zu halten – meinen Kopf.

Der Kopf, der sich oft quer stellt die Blockaden auslöst aber zum Schluss auflöst. Es geht darum einen kühlen Kopf zu bewahren und dann erscheinen einem die körperlichen Hürden auch nicht mehr so unüberwindbar oder anstrengend.

So ist es nicht nur in der Praxis sondern auch im Leben. Ich bin stärker geworden – nicht nur körperlich sondern auch mental und auch wenn mich manchmal meine Schwächen wieder einholen bringt mich doch die Praxis wieder zurück zur inneren Haltung, weil sie mich immer wieder daran erinnert. Die Praxis spiegelt das Leben und im Leben spiegelt sich die Praxis (Ich habe es auch überlebt 5 Minuten in dieser Pose voller Schmerzen auszuharren – dann harre ich jetzt auch aus).

In diesem Jahr habe ich schon so viele Höhenflüge aber auch Tiefpunkte erlebt und die werden immer wieder kommen. Die Praxis ist nie gleich, genauso wie das Leben. Entscheidend ist es aber, am Ball zu bleiben und nicht anzuhalten. Die Reise wird immer spannend bleiben, man wird viel erleben und viel von sich sehen. Der Weg ist das Ziel.

Weil es mir Kraft und Stärke, Geduld und Gelassenheit gibt und weil es mich jeden Tag daran erinnert, im Moment zu leben, deshalb praktiziere ich Ashtanga.

Weil vor allem Du, Andrea, mich forderst aber auch bremst und manchmal eher meine Grenzen kennst als ich, sag ich Danke Namaste.

Andrea und Isabelle ihr genießt mein vollstes Vertrauen und ich bin dankbar, dass es diesen Ort und vor allem Euch gibt. Es gibt keinen besseren Ort und ihr seid wunderbare Wegbegleiter dieser Reise.
Weil es mir Kraft und Stärke, Geduld und Gelassenheit gibt und weil es mich jeden Tag daran erinnert, im Moment zu leben, deshalb praktiziere ich Ashtanga.
Namaste
Tanja

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